duncan reid and the big heads | haus eifgen | 08.11.2019

duncan reid und seine big heads habe ich vor jahren mal als vorprogramm von irgendwem gesehen und äußerst positiv in erinnerung behalten. wenn die band dann quasi um die ecke spielt, lasse ich mich trotz des ziemlich üppig bemessenen eintritts nicht lange bitten. irritierend ist allerdings der ort des geschehens. ‚haus eifgen‘ verheißt nicht gerade rock‘n‘roll, sondern lässt eher an oma und opa und bergische waffeln denken. das kann in die hose gehen! zumal wermelskirchen ja auch nicht gerade als partymetropole bekannt ist und die band am vortag erst in düsseldorf gespielt hat. meine bedenken verstärken sich noch, als ich mich durch die stockdunklen serpentinen des bergischen winde und merke, wie sehr am arsch der welt dieses haus eifgen tatsächlich liegt. ein ausflugslokal an einer landstraße irgendwo mitten im wald. bates motel. ohne auto und navi unmöglich zu erreichen. kein mensch ist zu sehen, nur zwei, drei autos stehen vor der tür. ich stelle mir die gesichter der band vor als sie gemerkt haben, wohin es sie verschlagen hat. drinnen ist es nicht viel besser. eher schlimmer. außer mir hat sich noch niemand in den großen saal verirrt, dem man an den langen tischreihen und (ungünstig platzierten) stehtischen seine herkunft als speiselokal noch deutlich anmerkt. nach und nach trudeln dann doch noch ein paar gäste ein. mit der betonung auf ‚ein paar‘. insgesamt dürften es am ganzen abend nicht mehr als vielleicht 30, 40 leute sein, die es in die einöde verschlagen hat. etwa die hälfte davon hat einen deutlich subkulturellem einschlag und weiß, warum sie da ist. die andere hälfte dürfte sich wohl eher zufällig hierhin verirrt haben. alles in allem keine guten voraussetzungen für ein gutes konzert, würde ich sagen. allerdings liege ich damit grundfalsch, denn tatsächlich legt die band einen ausgezeichneten auftritt hin. nicht einen moment lang habe ich das gefühl, die musiker*innen hätten keinen spaß oder seien ob des geringen zuspruchs bitter. duncan nimmt es mit fassung, macht gut gelaunt witze und misst dem ganzen offenkundig keine große bedeutung zu. statt dessen zünden sie ein feuerwerk mit hits von allen drei platten und zwischendurch gibts natürlich ein paar nummern von den boys. das ist großartig! wenn die boys als die beatles des punk gelten, sind duncan und seine köpfe die bee gees des powerpop - oder so. soll heißen: es gibt großartiges songwriting und reichlich poppige harmonien/melodien. was mir auf platte manchmal schon fast zu glatt daherkommt, hat live doch mehr ecken und kanten, ist treibender, rockiger und bringt die ärsche der anwesenden zum wackeln. auf der bühne ist auch ordentlich bewegung. super! zwischendrin plaudert duncan sehr charmant auf deutsch (ich vermute, das ist der service eigens für uns hinterweltler) mit dem publikum, erzählt lustige geschichten und lässt sich über den ‚brexshit‘ aus. nach einiger zeit wird ne längere pause angekündigt. beim bierholen fragt die bedienung, wo ‚wir‘, gemeint ist der duncan reid-fanclub, denn eigentlich herkommen. normalerweise sei eher anderes publikum da. das glaube ich gerne. aber so unterschiedlich die zusammensetzung der belegschaft auch sein mag, allen anwesenden gefällts. so ist dann auch die freude groß als die band nach 20 minuten noch mal für ein paar stücke auf die bühne kommt. neben eigenen liedern gibt ein paar coversongs (blitzkrieg bop, teenage kicks und so). damit kann man nix falsch machen, ich hätte aber lieber noch ein paar von duncans eigenen stücke gehört. nach 30 minuten ist auch der nachschlag vorbei. schade. ein wirklich tolles konzert!