spermbirds & karoshi | gebäude 9 | 13.11.2019

spermbirds, die 2.. dieses mal in köln. im gebäude 9 war ich nun auch schon länger nicht mehr. das merke ich eindrücklich daran, dass sich die gegend kolossal verändert hat. wo früher abgerockte fabrikhallen die straße säumten, öffnet sich nun der krater einer nicht enden wollenden baugrube. auch unmittelbar um das gebäude 9 wird kräftig abgerisssen und gebaut. das riecht nach neuer ökonomie, nach teurem wohnraum und nach der unsichtbaren hand, die sich auch die letzte urbane brache einverleibt. ich habe tatsächlich schwierigkeiten, den eingang zu finden. erst als ich auf eine gruppe ebenso orientierungsloser, aber freundlicher biertrinker stoße, finden wir den weg zwischen den baulöchern.

 

ich befürchte schon, dass bald auch das gebäude 9 wegsaniert wird. aber da täusche ich mich, denn die alte fabrikhalle steht nicht nur noch, sondern hat sich ihrerseits ziemlich verändert. während meiner abwesenheit wurde gekräftig umgebaut. die theke im vorraum steht woanders, die wände sind rot gestrichen und auch die toiletten sind nicht mehr im ersten stock zu finden. das ganze hat sich nicht unbedingt zum vorteil verändert finde ich. der alte, leicht verwarzte charme ist jedenfalls dahin. und eng ists auch geworden. die halle kommt mir deutlich kleiner, schmaler, schlauchiger vor als bei meinem letzten besuch.

 

viel zeit habe ich aber nicht, mir darüber gedanken zu machen, denn die vorband karoshi betritt die bühne. ich zähle vier, fünf, sechs... nein sieben leute auf der bühne und vier von denen haben blasinstrumente in der hand. ich ahne schlimmes! und genau das passiert auch. es wird skapunk gegeben. hilfe! das ist - ich wiederhole mich - mal so gar nicht meine musik. obwohl es handwerklich gut gemacht ist, die musiker bestimmt auch super typen sind, muss ich nach drei liedern raus. grauenhaft! zu dieser art sound hat kollege olram schon vor zeiten alles gesagt, was dazu zu sagen ist: zirkusmusik.

 

ich stehe also wieder im rot lackierten vorraum, der langsam unangenehm voll wird (ausverkauft!) und kriege zusehends schlechte laune. musste das wirklich sein? die selbe band zwei mal innerhalb von zwei wochen sehen? warum bin ich nicht lieber in den ballroom gefahren, um mir die columbian neckties anzusehen? oder einfach mal auf dem sofa geblieben, wie es andere lohnarbeitende menschen auch unter der woche tun? für einen moment bin ich ernsthaft versucht, nach hause zu fahren und genau das zu tun.

 

aber auch diese durststrecke geht vorbei. als die spermbirds die bühne betreten, stehe ich im saal und freue mich, dass es endlich losgeht. neues war nicht zu erwarten und neues wird auch nicht geboten. die setlist kommt mir exakt so vor wie neulich in essen. sogar die technischen probleme sind die gleichen wie beim letzten mal. immer mal wieder gibt es längere pausen zwischen den stücken, in denen die band etwas ratlos auf der bühne herumsteht. funktioniert die pa oder funktioniert sie nicht? hä? irgendwer schraubt irgendwo rum, dann gehts weiter. oder doch nicht? ich merke jedenfalls keinen unterschied und es stört mich auch nicht weiter. die band auch nicht sehr. sie drehen kurzerhand eine monitorbox in richtung publikum und spielen ihr set runter. das macht schon spaß. es ist ordentlich bewegung in der bude und auch der/die ein oder andere stagediver*in wagt den spung ins getümmel. auch mir wirds langsam warm. doch ja, die schlechte laune ist wie weg geblasen. geht doch! selbst als eine gruppe kegelbrüder hinter mir mit wildem getanze anfängt und mir immer wieder schweißnasse dödel in den rücken schubst, stört mich das nicht sehr. nothing is easy! als zugabe gibts blood stains von agent organe, was ich ausgesprochen gut und passend finde. unterm strich doch schön, dass ich nicht auf dem sofa abgekackt bin.