hung like hanratty | kulturrampe | 05.12.2019

es ist donnerstag und ich bin von der woche vollständig bedient. der job saugt momentan wie nie und macht mir durchgängig schlechte laune. da kommt ein die-zeit-bis-zum-wochenende-verkürzendes konzert gerade recht. die mir bislang nur vom namen bekannten hung like hanratty sind eine empfehlung von d.. genau genommen sind sie sogar eine dringende empfehlung: in england seien die zur zeit ne große nummer und eine ausgesprochen unterhaltsame band noch dazu. dirt box disco werden als referenz aufgerufen. das ist schon mal ne ansage und verspricht schörkellosen singalong punk (gut!), derben britischen humor (auch gut!) und allerhand klamauk auf der bühne (hmm...). // obwohl so was auch in die hose gehen kann, bin ich neugierig genug, mich auf den weg nach krefeld zu machen. nicht gerade ein katzensprung, aber was solls. dafür gibt es mit der kulturrampe einen sehr angenehmen laden, den ich in guter erinnerung habe. recht klein inmitten des krefelder großmarktes gelegen, unten ein kleiner kneipenraum, der konzertraum befindet sich ne halbe treppe hoch darüber. da ists nett und für einen donnerstag sind auch angemessen viele leute da. nach ein bisschen geplauder geht es dann auch relativ zügig los. // was die fünf dann abliefern, ist von der ersten minute an beste unterhaltung. musikalisch passt der dirt box disco-vergleich auf jeden fall. es wird zeitloser, melodischer punkrock ohne bart und bindestrich gespielt. das geht ins bein und ist schon mal sehr erfreulich! auch textlich ist der dirt box-verweis ziemlich treffend. cunts, wankers, assholes... sind mit abstand die meist verwendeten vokabeln des abends und damit wird kräftig in alle richtungen ausgeteilt. mit hohn, spott und ehrlicher verachtung wird über alles hergezogen, was dem gemeinen punker das leben schwer macht: polizisten, politiker, chefs, arbeitskollegen, nachbarn, leute, die ihre hunde überall hinkacken lassen. auch jimmy saville, oscar pistorius und andere kriegen ihr fett weg. alle und ausnahmslos arschlöcher! ich habe keine einwände... wo kann ich unterschreiben? // die ganze show lebt allerdings ganz eindeutig von der unglaublichen präsenz des sängers. der macht extrem lustige und unterhaltsame ansagen, die bisweilen stand up-qualitäten erreichen und für dauerhaftes grinsen bei den anwesenden sorgen. bei manchen dialogen mit dem publikum könnte ich mich ausschütten vor lachen. obwohl er das bestimmt bereits hunderte male gemacht haben wird, merkt man, wie viel spaß er selbst dabei hat. sehr, sehr lustig ist das! klar, den humor muss man mögen und zwischendurch wirds auch mal grenzwertig, aber das stört mich heute kein bisschen, zumal die band sich selbst nicht ausnimmt. und hey, das ist ein punkkonzert und kein proseminar. what you fucking see is what you fucking get, heißt es bei ihnen zu recht. eine sichtbar große freude hat der sänger auch an masken, perücken, hüten und anderem krams, mit der er zwischen und während der songs hantiert. das ist großes kino. selbst die zu erwartende mitmachanimation ist unpeinlich und passt perfekt zum gesamtprogramm. da lasse ich mich ausnahmsweise auch mal hinreißen und singe die refrains mit. wer noch nie an einem donnerstagabend gemeinsam mit ein paar dutzend anderer idioten ‚dieter bohlen you‘re an asshole‘ gegröhlt hat, werfe den ersten stein. ok, beim gemeinschaftlich aufgeführten ‚dogshitdance‘ bin ich dann (selbstverständlich!) raus. das tut der guten stimmung aber keinen abbruch. doch, doch, das war ein klasse abend.