bob wayne | freak show | 03.01.2020

ein neues jahr, die alte lieblingskaschemme und ein paar überraschungen. überraschung nr. 1: die freak show ist ausverkauft. das hätte ich nun nicht gedacht. bob wayne scheint in essen populär zu sein. überraschung nr. 2: obwohl ich gar nicht soo spät dran bin, hat das konzert bereits angefangen. gehört ein pünktlicher beginn etwa zu den guten neujahrs-vorsätzen der freak show? hmm... beide überraschungen zusammen führen jedenfalls dazu, dass ich in einer dicht gepackten menge aus karierten hemden, basecaps und cowboyhüten stehe, als ich den keller betrete und es kaum schaffe, mich zur theke durchzuschlagen. eng ist es, eng bleibt es und einen platz mit akzeptabler sicht kann ich mir erst spät ergaunern. // überraschung nr. 3: bob wayne spielt zwar wie angekündigt ohne band, aber im wesentlichen handelt es sich um bekannte songs. ich war - warum auch immer - davon ausgegangen, dass er vor allem, vielleicht sogar ausschließlich stücke seiner demnächst erscheinenden solo-platte spielen wird. gut, dann eben nicht, auch kein problem. ist ja nicht so als würde mir der alte kram nicht gefallen. zudem: so vertraut bin ich mit seinem gesamtwerk nun auch nicht, so dass letztlich das meiste auch so 'neu' für mich ist. überraschung nr. 4: anders als ich sind im publikum doch recht viele menschen ziemlich textsicher und singen ganze lieder mit. ein geheimtipp ist bob wayne ganz offensichtlich nicht (vgl. überraschung nr. 1). // keine überraschung dagegen: bob wayne ist ein gnadenlos guter entertainer. musikalisch bewegt sich das ganze irgendwo in der schnittmenge von americana, folk und (viel) country, ist dabei aber von dümmlicher fernfahrerromantik ebensoweit entfernt wie von reaktionärer redneckrhetotrik. natürlich gibt es viel trucker-, highway- und hillbillie-quatsch zu hören, aber das ganze wird immer gebrochen durch eine ziemlich überzeugende fuck the world-attitüde. 'outlaw country' las ich irgendwo und das etikett passt auch. ziemlich beeindruckend finde ich, dass er nach etwa der hälfte des sets anfängt, lieder auf zuruf zu spielen. immer zwei bis drei publikumswünsche auf einmal werden brav und ohne zu murren abgearbeitet. sehr souverän und ein wirklich guter einstieg in das neue konzertjahr.