reverend red | sonic ballroom | 21.01.2020

der tag ist beschissen von der ersten minute an und als ich ihn schon als hoffnungslos verloren aufgeben will, beschließe ich, der schlechten laune nicht das letzte wort zu überlassen. statt bettdecke überm kopp also auf in den ballroom. reverend red heißt die band und wird als americana angekündigt. ich kenne kein einziges lied, aber die aussicht auf ein bisschen musik, den silberling und dabei mit niemandem reden zu müssen, ist dann doch grund genug, das haus noch zu verlassen. // durch gutes timing muss ich auch nicht lange warten, bis die fünf zottel aus california die bühne betreten. gespielt werden ein paar rootige traditionals, ein paar sachen, die ich als country bezeichnen würde und vieles, bei dem das label americana schon gut passt. 16 horsepower, woven hand, die frühen calexico, johnny cash und so weiter können als referenzen herhalten. ruhigere stücke wechseln sich mit flotteren ab und manchmal wird es sogar laut und fast ein bisschen punkig. das gefällt mir wirklich ausgesprochen gut und ist auch nach eineinhalb stunden kein bisschen langweilig. wenn ich die augen schließe, sehe ich schwarzweißaufnahmen von endlosen highways in flirrender hitze, kreisende geier, umherwehendes tumbleweed und jene sorte cowboyhut tragender hinterweltler, denen man als besucher aus der zivilisation lieber nicht begegnet. die musikalische auseinandersetzung mit der trost- und perspektivlosigkeit der nordamerikanischen backwoods. no country for old men. // beeindruckend finde ich, dass sich die band auch von der sparsamen kulisse - mit mir sind es gerade einmal elf (!) zahlende (?) zuschauer*innen - nicht abschrecken lässt und erkennbar spaß hat. zwischen den liedern gibts aufgeräumte ansagen, ein paar infos zur band und den hintergründen einzelner songs. sehr cool finde ich auch die beiden coverversionen. stooges ‚i wanna be your dog’ und nancy sinatras ‚bang bang’ werden zu sehr eigenständigen und nicht auf anhieb zu erkennenden songs verwurstet. klasse! eine coole band, ein (fast) versöhnlich stimmender tagesabschluss und die erkenntnis, dass die blindverkostung unbekannter bands doch immer wieder echte perlen hervorbringt.