seuchentagebuch | 21.03.2020

endlich wochenende. gottseidank! die letzte tage haben es wirklich in sich gehabt. bei twitter schrieb jemand, sie/er (? sorry!) fühle sich abends so angestrengt als ob es wieder kleinkinder zu betreuen gelte. das trifft es ziemlich gut. schuld daran sind nicht zuletzt die abstrusen erwartungen der lehrer*innen, die uns per mail, moodle usw. reichlich mit aufgaben und lernstoff fürs homeschooling versorgen. ich frage mich ernsthaft, was die für eine vorstellung von der gegenwärtigen situation haben. glauben die, alle welt sitze tatenlos zu hause auf dem sofa rum und habe nix zu tun? selbst für menschen in einer so privilegierten lage wie unserer ist homeoffice vor allem eins: arbeit. nebenbei drei kinder beschulen ist kein deckchensticken. und was ist mit denen, deren lohnarbeit auch in coronazeiten nicht einfach an den heimischen küchentisch verlagert werden kann? das verlangte pensum nach der maloche, einkaufen und sonstigen notwendigkeiten zu erledigen ist unmöglich zu schaffen. aber von solchen überlegungen scheinen die meisten lehrer*innen vollkommen unberührt zu sein. ich habe den eindruck, sie gehen davon aus, schule könne 1:1 in die familien verlagert werden (warum dann eigentlich noch ein lehramtsstudium?). das dies von vielen menschen nicht zu leisten ist, scheinen sie nicht in erwägung zu ziehen. eine rühmliche ausnahme ist lediglich die grundschullehrerin der zweiten, die deutlich macht, dass sie um die situation vieler eltern weiß und dies bei ihren lernvorschlägen (!) berücksichtigt. machen was geht, der rest bleibt eben liegen. ansonsten: elend wohin man blickt! und mit dieser wahrnehmung bin ich keineswegs alleine. meine gesamte elterntwitterbubble klagt und berichtet ähnliches, schlimmeres. // sehr entzückend ist dagegen, wie die mädchen beim hausputz helfen. die bude sieht aus erwähnten gründen aus wie sau und normalerweise wäre es nach einer woche schmutzignorieren eine üble plackerei. aber sie machen wirklich engagiert mit und im ganzen haus wird geputzt, gewischt, verräumt. es geht zu wie bei den sieben zwergen. natürlich - und zu recht! - lassen sich die kleinen biester für ihren einsatz bezahlen. im minutentakt ändern sich die preise und immer neue kurse werden aufgerufen. ganz so hatten wir uns das nicht vorgestellt, aber so ist das wohl im neoliberalismus. // nicht so schlecht: am nachmittag habe ich seit langem mal wieder eine anspruchsvolle jivamukti-session geturnt. ich bin zwar noch meilenweit von der kraft und beweglichkeit entfernt, die ich noch vor ein paar jahren (yogaeverydamnday) hatte, aber das seit ein paar monaten wieder disziplinierte(re) üben macht sich doch bemerkbar. mein körper scheint sich an einiges erinnern, so dass ich auch schwierigere asanas langsam wieder ganz gut hinkriege. es wird! // im anschluss versuche ich (!) sogar noch, die mädchen zu einer spazierrunde (!!) durch den wald (!!!) zu überreden. aber sie wollen lieber 'chillen' (wenn sie so reden, läuft es mir immer kalt den rücken runter). irgendwie scheinen sich bei uns gerade die rollen zu vertauschen. immerhin will die jüngste mit. so latschen wir vergnüglich plaudernd eine stunde durchs gehölz. hauptthema: der bald anstehende geburtstag. sie zählt eine nicht enden wollende wunschliste auf. ich überschlage dabei im kopf die kosten und komme - das iphone nicht mitgerechnet - auf etwa 9.000 euro und erkläre dem bescheidenen kind im anschluss, was die redewendung 'wir sind doch keine millionäre' bedeutet. // unterwegs erwische ich mich dabei, wie ich die (wenigen) entgegenkommenden leute checke, ob von ihnen möglicherweise eine (ansteckungs-)gefahr ausgeht und nehme die kleine vorsichtshalber an die hand. das mache ich üblicherweise nur bei den irren mit den riesigen kötern/kampfhunden. einmal bin ich sogar kurz davor, drei junge dödel anzuherrschen, ob sie noch alle tassen im schrank haben. ich bin mir in diesem moment wirklich unangenehm. wo soll das noch enden?