seuchentagebuch | 23.03.2020

wochenende vorbei, die lohnarbeit ruft. endlose mails und die todo-liste wächst ins unermessliche. wann soll ich das jemals schaffen? leider wächst auch das gefühl großer ungerechtigkeit. während ich mir den arsch aufreiße, stelle ich mir vor, wie andere die zeit zum lesen, schreiben, gemütlich abhängen nutzen. vielleicht liege ich auch falsch, aber wütend bin ich trotzdem. nicht schön. ich muss aufpassen, dass ich nicht anfange, ätzende antworten auf dumme mails zu schreiben. sonst geht es mit meiner sozialen isolation erst richtig los, wenn sich die kolleg*innen nach corona darüber austauschen, was für ein scheißtyp ich bin. obwohl... // zwischendurch, aber auch nicht mal eben nebenbei erledigt, steht die alltagsorganisation an. während j. sich mit dem homeschoolingelend herumplagt, heißt das für mich heute zunächst mal einkaufen gehen. das wochenende haben wir offenbar ausschließlich mit fressen zugebracht. auch die schwiegereltern haben ihren einkaufszettel geschickt. der liste nach zu urteilen probieren sie während der coronazeit ein paar fancy rezepte aus, für es die allerhand komische spezialzutaten zu besorgen gilt. aber was macht man nicht alles für die verwandtschaft!? ich weigere mich allerdings, ihnen fleisch und wurstzeugs mitzubringen. sie sind nicht begeistert, nehmen es aber hin. was bleibt ihnen auch übrig? j. hat ihnen auch schon signalisiert, dass sie dafür nicht zur verfügung steht. vielleicht haben wir sie ja, wenn alles vorbei ist, zwangsvegetarisiert?! allein: es ist aktuell ganz schön schwierig, meinen veganen einkaufszettel abzuarbeiten. eine menge kram ist ausverkauft. nicht, dass am ende ICH zwangsvegetarisiert bin. // zum ersten mal erlebe ich im bzw. vor dem supermarkt unschöne szenen. der einlass wird zahlenmäßig begrenzt (nachvollziehbar) und draußen wartet bereits eine große schlange. offensichtlich haben alle arschlöcher gerade freigang, denn es wird gepampt, geschnauzt und vor allem der wachmann vor dem eingang kriegts ab, wenn er die blödmänner und vordrängler zurück in die schlange scheucht. aber er ist groß und stark und scheint nicht sehr erschüttert. ich schon eher. die aussicht, dort ewig auf einlass zu warten ist jedenfalls nicht sehr verlockend. ich versuche es lieber woanders. vielleicht ist es doch an der zeit, einen der (schon länger existierenden) örtlichen lieferservices (bio-kiste et al.) zu nutzen, um wenigstens an obst, gemüse und so kram zu kommen. // auch unerfreulich: obwohl ich in den letzten tagen selbst reichlich auf meinem social media gedöns (inkl. des noch nie wirklich genutzten fb-accounts) unterwegs bin, überlege ich ernsthaft, zumindest die twitternutzung für einige zeit deutlich einzuschränken. die stimmung dort ist dieser tage auf beiden accounts hysterischer, krawallbereiter, klugscheißerischer als je zuvor. auf jedem fall nur noch schwer erträglich. selbst auf meinem seit mehr als zehn jahren sorgsam gehegten und gepflegten lieblingsaccount komme ich aus gründen der timelinehygiene nicht umhin, einige leute zu muten und anderen ottos bin sogar ganz entfolgt. // das gleiche gilt für instagram. vollkommen unerträglich sind erstaunlicherweise (oder vielleicht auch gerade nicht) einige us-accounts mit eher subkulturellem einschlag. noch idiotischer als ihr depperter präsident, nur halt im punkoutfit. das muss man auch erst mal hinkriegen! interessantes phänomen: nach dem ausmisten folge ich mehr leuten als vorher. naja.