seuchentagebuch | 26.03.2020

ich habe mir vorgenommen, heute nur über erfreuliche dinge zu schreiben. und an dieser stelle endet der heutige eintrag... kleiner spaß! aber im ernst, ich merke, wie ich anfange, die bullshitblossoms vor allem als kotzkübel zu nutzen, in den alles kommt, was mir gerade so auf den wecker geht. klar, schnell genervt und notorisch missmutig laufe ich seit 51 jahren durch die gegend, das lässt sich nicht mal eben so ablegen, aber schlechte laune allein kann ja auch nicht die grundlage meines geschreibsels sein. meine vor jahren (2010/11) erstmals unternommenen blog-versuche hatte ich seiner zeit genau aus diesem grund eingestellt. sich über arbeit, kolleg*innen, die verhältnisse als prekär beschäftigter hilfswissenschaftler zu mokieren, mag psychohygienisch hilfreich sein, als konzept ist es doch etwas dünn. immer schön positiv bleiben ist also das heutige motto. obwohl... anlässe für düstere betrachtungen gäbe es derzeit wahrlich genug, ich könnte wenigstens die ärgsten dinge kurz ansprec... schweig, satan! // erfreuliches also: es wird geburtstag gefeiert. die katzenjungs sind heute eins geworden. sie werden ausgiebig besungen, bepummelt und die mädchen rühren ihnen sogar einen ‚kuchen‘ aus katzenfutter zusammen. sehr nett. obwohl ich im familienparlament strikt gegen neue katzen gestimmt hatte (wenig erfolgreich, versteht sich), finde ich mittlerweile, dass die pelzigen zwillinge ein wirklicher glücksgriff sind. sehr freundlich, unglaublich niedlich und selbst bei den zum teil sehr rubost ausfallenden liebesbekundungen der mädchen bleiben sie geduldig. und, das wichtigste: abgesehen von den täglich angeschleppten toten und nichtganzsototen mäusen haben sie keine von diesen komischen marotten, die katzen manchmal an den tag legen und die man ihnen nie, nie, nie wieder abgewöhnen kann. doch, ja, das passt schon mit den viechern. // es ist wirklich entzückend anzusehen, wie lieb die mädchen mit ihren selbsternannten ‚brüdern‘ umgehen. klar, bisweilen läuft es mir kalt den rücken runter, wenn ich sehe, wie sie die jungs direkt auf die schnauze küssen oder sich deren pfoten in den mund stecken. ich könnte mich schütteln, so unangehm finde ich das. aber gut, hier spricht auch jemand, der sich im grunde nur deswegen vegan ernährt, weil er tiere nicht ausstehen kann. die mädchen haben da eindeutig weniger berührungsängste. die große habe ich vor ein paar monaten sogar dabei beobachtet, wie sie einem gaul ihren apfel hinhält und ihn dann, nachdem das pferd abgebissen hat, ungerührt weiter isst. brrrr... mich grausts allein bei der erinnerung. und überhaupt, ist das corona-virus nicht sogar ursprünglich von tieren auf den menschen übergesprungen? aber ich wollte ja bei den erfreulichen dingen bleiben. // nächstes geburtstagskind des heutigen tages ist j.s vater. wir singen ihm ein ständchen via facetime und bei allem, was es zu recht gegen apple und andere schurkenkonzerne einzuwenden gibt, bin ich doch mal wieder ziemlich angetan von den technischen möglichkeiten. aber in dieser hinsicht bin ich als kind der telefon-mit-wählscheiben-generation auch leicht zu beeindrucken. // eine premiere gabs auch heute: ich habe heute zum ersten mal im leben (kein spaß!) einen kasten bier für den eigenbedarf (also nicht für partys, gäste usw.) gekauft. ok, es war jever fun, aber das zählt ja wohl auch. obwohl das homeoffice ja im prinzip eine gute gelegenheit wäre, sich schon ab mittags alkoholische getränke reinzustellen, habe ich derzeit keinen bedarf. zu hause trinken fand ich schon immer deprimierend. beunruhigend ist allerdings, dass mich selbst mein sonst selten verschmähter lieblingsdrink gin tonic nicht locken kann. ich werde doch hoffentlich nicht krank!? // alles in allem verläuft der tag  - die weltlage ausgeblendet, versteht sich - tatsächlich ganz erfreulich. es wird mittag, bevor ich überhaupt das erste mal daran denke, den rechner anzumachen. der erste impuls ist, die kiste einfach den ganzen tag komplett auszulassen. schließlich transportiere ich, wie kollegin d. immer über unseren job gesagt hat, keine lebenswichtigen medikamente und einen tag können die mailschreiber*innen zur not auch mal auf eine antwort warten. aber den rechner tatsächlich zugeklappt zu lassen, wird sich bitter rächen. die arbeit erledigt sich schließlich nicht von allein und morgen wird der berg unerledigter sachen unbezwingbar sein. also ran. immerhin mache ich mir einen spaß daraus, die mails an den zwar netten, aber auch sehr auf förmlichkeiten bedachten (juristen-)kollegen mit einem launigen 'stay healthy, stay punk' enden zu lassen. ich kann förmlich spüren, wie er bei jeder meiner mails zusammenzuckt und sich hilfesuchend im homeoffice umguckt. naja, wir habens gerade alle nicht leicht. // a propos homeoffice: es ist mir gelungen, eine akzeptable lösung für die kleiderfrage zu finden. als kompromiss zwischen vollständiger bekleidung (zu overdressed und lästig) und schlafanzug (zu underdressed und nicht gut für die motivation) sitze ich jetzt in yogahose (well dressed und bequem) am schreibtisch. das geht. schöner nebeneffekt: die mädchen denken, es sei eine karatehose und sind schwer beeindruckt. es sind die kleinen erfolge, die zählen. // so, nun reicht es aber auch mal wieder mit der guten laune. fickt euch ins knie, ihr hippies!