seuchentagebuch | 28.03.2020

der tag beginnt mit der üblichen, betrüblichen wochenendeinkaufsrunde. wegen der strengen türpolitik gibts lange schlangen vor ausnahmslos allen läden. ich will es mal so formulieren: das warten in schlangen bringt nicht gerade die besten seiten des menschen zum vorschein. und damit meine ich keineswegs (nur) die rückenansicht der jeweils vor mir stehenden. ich beschließe, fortan nicht mehr ohne kopfhörer zum einkaufen zu gehen. // viel kram ist vergriffen. insbesondere für menschen, die gerne tofu essen sinds keine guten zeiten. das hat was von ddr und so ähnlich stelle ich mir das leben mit bio-kiste vor. gegessen wird nicht, auf was man appetit hat, sondern das, was gerade da ist. aber kein problem, ich kann ja kochen und mache einfach das beste daraus. heute gibt es zum beispiel sojawürfel mit vanillesoße und krautsalat an veganem erdbeeryoghurt und frühlingszwiebeln. // bei der anschließenden reformhausrunde habe ich aus den fehlern des morgens gelernt und schotte mich mit kopfhörern von der außenwelt ab. ein doppelter sicherheitabstand gewissermaßen. das ist aber gar nicht so einfach, weil die apple-kopfhörer (die anderen sind seit die mädchen sie entdeckt haben wohl für immer verschollen) nicht wirklich dazu gemacht scheinen, sie im dafür vorgesehenen sinne zu verwenden. alle zwei sekunden baumelt einer am kabel. ich frage mich, an welchen ohren die (wenn überhaupt) jemals ausprobiert wurden? delfine? brieftauben? maulwürfe? die wartezeit verbringe ich dann also mit den saints (gute inspiration durch jenz bumper am vorabend) und damit, mir die kopfhörer wechselseitig wieder ins ohr zu friemeln. // immerhin, im drogeriemarkt ist es dann angenehm leer, so dass ich mich in ruhe auf die wirklich dringenden dinge konzentieren kann: müsli, vegane pampe, haarfarben. ich bin schon ein bisschen gespannt, wie ich nach corona aussehen werde. // über den rest des tages - berufliche mails: jede einzelne davon ein ärgernis, warum mache ich das überhaupt am wochenende? schulkram: auch nicht besser. yoga: wenigstens das ist erfreulich - gibts nichts berichtenswertes zu berichten. ich bin so früh im bett wie das letzte mal mit 15 - als der fernseher kaputt war.