seuchentagebuch | 29.03.2020

weil ich gestern früh im bett war, bin ich heute früh wach. genauer: bin ich heute sehr früh wach. noch genauer: bin ich heute verdammt früh wach. um halbvier (oder halbdrei oder halbfünf, wer weiß das an tagen der zeitumstellung schon so genau!?) ist die nacht für mich zu ende. vor ein paar tagen oder einer woche oder war es vor zwei? jedenfalls am anfang der stay home-phase war ich noch ganz begeistert, wie gut ich schlafen kann - davon ist momentan nix übrig geblieben. das permanente arbeiten am limit, die gleichförmigkeit der tage, das wochenende eingeschlossen, der ärger über arbeit und schule, die ungewissheit über die lage da draußen bei gleichzeitigem newsoverload und sowie nicht zuletzt die sorge um die spargelernte (kleiner spaß!) haben meinen schlafrhythmus offenkundig ziemlich zerrüttet. ein- oder durch- oder ausschlafen oder am besten alles zusammen fände ich mal wieder ganz gut. // jedenfalls bin ich wach und muss zusehen, wie ich die zeit bis zum aufstehen der anderen rumkriege. die idee, den lange vernachlässigten bass zur hand zu nehmen, verwerfe ich gleich wieder. halbvier (oder halbdrei oder halbfünf, wer weiß...) ist dafür definitiv keine gute zeit. also die glotze an - und nach zwei minuten wieder aus. das ist nicht zum aushalten. das internet ist auch leer gelesen und um selbst was reinzuschreiben bin ich zu müde (nicht mehr schlafen zu können und trotzdem hundemüde zu sein ist auch so ne kombination). also beschließe ich, die lange überfällige ganzkörperrasur nachzuholen. ich lasse mich schließlich nicht komplett tätowieren, um dann herumzulaufen wie der yeti. also ran. mittendrin verliere ich leider die lust und mache nur halbherzig weiter. naja, in der nächsten nachtschicht kann ich ja noch mal drüber mähen. // kurz überlege ich, mir dann wenigstens die haare ein bisschen nachzuschneiden. aber auch das verwerfe ich. zu riskant. wenns nichts wird, stehe ich doof da. die friseure haben geschlossen, j. traut sich nicht an meine haare und die mädchen ranzulassen traue ich mich nicht. am ende sehe ich schlimmer aus als der yeti. // irgendwann kommen die beiden jüngsten runtergestiefelt und machen sich (mit meiner erlaubnis) den fernseher an. so lautet der deal. sie lassen uns am wochenende ausschlafen und dürfen sich dafür die glotze anmachen. eigentlich ein faires geschäft - wenn ich nicht bereits seit halbvier (oder halbdrei oder halbfünf, wer weiß...) den hausgeist geben würde. so sitze ich dann mit leerem blick neben ihnen und lasse mich von feuerwehrmann sam einlullen. // mit schwamm im kopf geht der tag dann auch nach dem frühstück weiter. es hat wetter mit schnee (!) und es ist eisekalt draußen. der angedachte spaziergang scheidet definitv aus. trotzdem ist j. mit 2/3 der mädchen zum pferd. das verbliebene drittel und ich hängen schlapp auf dem sofa rum und glotzen in die tablets. es gibt pranks bei youtube für g., die spex für mich. ich lese ein altes interview mit DAF und höre zeitgleich die darin angesprochenen bands/lieder. die dank apple-music-account (fast) immer und (fast) überall verfügbare musik machts möglich. auf jeden fall eine gute kombination. // später kann ich mich dann sogar noch auf die yogamatte schleppen. klappt gut, macht spaß, aber wirklich abschalten kann ich dabei nicht. sehr doof, denn das finde ich neben dem workoutaspekt eigentlich das beste am yoga. wenns klappt, bin ich absolut bei der sache und denke an nichts anderes. einatmen, ausatmen, downdog, krieger 1, krieger 2 undsoweiterundsofort. oftmals ist das üben die einzige zeit am tag, an der es im kopf nicht rattert. dass dies heute nicht richtig klappt, sagt einiges über mein derzeitiges brainfucklevel. als es bei einer asana im hals kratzt, ist mein erster gedanke: ‚OMG! das wird doch nicht das virus...‘. schöne scheiße!