seuchentagebuch | 31.03.2020

nach einem extrem ereignislosen, dafür aber extrem schlecht gelaunten montag siehts heute schon wieder anders aus. die schlafproblematik hat sich zwar nicht gelöst, aber tritt immerhin in einer neuen variante auf. ich werde nicht mehr mitten in der nacht wach, sondern schlafe gar nicht erst ein. bettzeit ist um halbdrei. auch schön. die zeit nutze ich sinnvoll und bestelle eine familienpackung gesichtsmasken, die gerade überall zu hauf angeboten werden. nach wie vor habe ich dazu - im gegensatz zu einigen trotteln bei twitter, die sich zum thema seit tagen heftige gefechte liefern - keine richtige meinung. aber falls das tragen der dinger doch mal eine voraussetzung werden sollte, das haus verlassen zu dürfen, ists vielleicht keine schlechte idee, einen satz zur hand zu haben. und bevor ich nachts wie das tapfere schneiderlein da sitze und mir die dinger selbst nach einer anleitung aus dem internet zusammenstricke, drücke ich lieber den kaufen-button. wozu bleibe ich schließlich lange wach!? // aber immerhin schlafe ich dann durch. der tag fängt halt etwas später an. das geht dem rest der familie auch so. erst nach und nach kommen erst m., dann ich, dann g. die treppe runtergeschlurft und setzen uns zu j. an den tisch. ihr schlafrhythmus ist offenbar durch nichts zu erschüttern. corona hin, erdbeben her, geschlafen wird acht stunden, basta! die älteste schafft es mit mürrischer miene gerade mal um elfe aus dem bett, und das auch nur, weil j. sich sorgt und sie beim pulsmessen versehentlich aufgeweckt hat. // immerhin ist meine laune besser als am vortag. doch langsam merke ich, dass ich meine sozialen kontakte, also die 'echten', die in der kohlenstoffwelt ziemlich vermisse. und das will was heißen! in der regel bin ich in dieser hinsicht sehr genügsam und komme mit meiner gesellschaft bestens zurecht. wenn ich keine begleitung finde, gehe ich seit jahren ohne mit der wimper zu zucken auch alleine auf konzerte und wenn ich dort keine bekannten gesichter treffe... auch gut, was solls. aber, ich komme nicht umhin, es zuzugeben: mir fehlen die kleinen, verzottelten strolche gerade wirklich sehr! twitter, insta, facebook... alles gut und schön, aber das ist nicht dasselbe. umso mehr freue ich mich über den anruf vom stillen teilhaber. wir verabreden uns für 'die tage' zu einem geheimspaziergang im wald. immer schön mit sicherheitsabstand und quasi am rande der illegalität. ick freu mir! wir werden dabei klasse aussehen in unseren neuen masken! // zu hause beschließen wir, es heute mit dem schulgedöns mal langsamer angehen zu lassen und die mädchen nur zum nötigsten zu (haha) nötigen. vor ein paar tagen geisterte ein (angebliches?) papier eines französischen ministeriums durch die sozialen netze, in dem die eltern von schulpflichtigen kindern in klugen worten zu zurückhaltung und augenmaß gemahnt wurden. in der krise gelte es nicht, den schulkram um jeden preis durchzupeitschen, sondern darum, die kinder und sich selbst gesund durch die zeit zu bringen. ob es sich dabei um ein fake handelt oder es wirklich so existiert, kann ich nicht beurteilen, das spielt aber auch keine rolle, weil das, was dort stand auch so vollkommen richtig und wichtig ist. warum kommt hier eigentlich niemand auf so eine idee? // überhaupt, zeitigt die schule noch ganz andere, unangenehme folgen. die erste entwickelt sich über ihre beschäftigung mit antiker geschichte richtiggehend zu einer kleinen klugscheißerin. mittags belästigt sie uns beim essen mit unnützem spezialwissen über das alte griechenland und behauptet steif und fest, der trojanische hase (die älteren erinnern sich!) sei in wirklichkeit ein pferd gewesen. lächerlich! gleichzeitig stellt sie mir - du bist doch lehrer, papa! - unangenehm spitzfindige fangfragen zu irgendwelchen kriegerischen auseinandersetzungen von vor 2000 jahren. aber das darf das feine fräulein oberschlau mal schön selbst bei herodot nachlesen. zeit genug hat sie ja wohl... // dann: ich habe den mietvertrag für mein neues domizil unterschrieben und zur post gebracht. schon ein komisches gefühl. langsam wirds konkret und ich beginne mir ernsthaft gedanken über die einrichtung zu machen. einerseits habe ich viel zu viel krempel, den ich garantiert nicht unterkriegen kann und will (bücher, bücher, bücher); andererseits fehlt es an elementaren dingen, die ich mir unmöglich alle auf einmal zulegen kann. mal sehen, wie ich das elegant lösen werde. vielleicht baue ich mir einfach ein bett aus büchern oder so. falls das nicht klappt, weiß ich nicht recht, wohin damit. antiquariate sind wohl generell nicht mehr sehr an ankäufen interessiert, ebay und anderer murks scheidet wegen lästig und arbeitsintensiv und ebayern sowieso aus und wem kann man schon mit dicken schwarten zu vollkommen abseitigen forschungsgebieten eine freude machen? ich sehe mich schon nachts heimlich die bücherschränke der umgebung mit meinem kram befüllen. naja, aber auch das wird sich finden. // zwischendurch versorge ich mutterbullshitblossoms mit dem ‚dringend‘ benötigten mineralwasser. ich habe etwas mühe, die bestellte ware neben den noch vorhandenen flaschen unterzubringen. aber viel trinken ist ja niemals ein fehler. danach ist die luft aber auch raus für heute. weil meine konzentrationsspanne gerade etwa der einer... was wollte ich nochmal sagen? egal. auf jeden fall beschließe ich, eine runde durch den wald zu drehen. eiskalt, sonne, dazu höre ich die großartigen waxahatchee und für ein paar momente ist die welt wirklich in ordnung.