seuchentagebuch | 06.04.2020

ich würde nicht sagen wollen, dass mein leben derzeit ein wenig eintönig verläuft, aber doch. höhepunkt der letzten 72 stunden: einkaufen. zur abwechselung wieder mit fancy einkaufswünschen der (noch-)schwiegereltern. immerhin schaffen sie es dieses mal intuitiv, ihre einkaufsliste so perfekt mit dem vorhandenen angebot zu synchronisieren, dass ich nur zugreifen muss und die sache ist erledigt. es wird! // beim abliefern des krams drücken sie mir eine packung klopapier in die hand, sie seien damit noch ganz gut ausgestattet. ich stelle die unvermeidliche 'hamstert ihr?'-frage, ernte entrüstete blicke und eine erläuterung, die mich dann doch erstaunt. man habe immer zwei, drei packungen klopapier auf vorrat zu hause und dann, als der ganze mist losging, einfach überall, wo es welches gab, eine packung mitgenommen. hmmm, das ist vielleicht noch keine kriminologisch exakte definition von hamstern, aber naja... anzeige ist raus. // beim samstäglichen gang durch die stadt bemerke ich veränderungen. die leute sind freundlich! der koch von meinem stammchinaimbiss, ansonsten immer, wirklich immer grenzwertig unfreundlich, winkt mir beim entgegekommen fast schon euphorisch lachend zu. weiter gehts mit einem netten, den einsatz des erworbenen seidentofus betreffenden gespräch im reformhaus. mousse au chocolat oder pastasoße, darüber ließe sich vortrefflich streiten. wir einigen uns auf unentschieden und gehen gut gelaunt unserer wege. auf dem rückweg plaudere ich länger mit nachbarn und finds ganz reizend. liegts am sonnigen wetter, werde ich langsam einfach ein bisschen labil oder sind die leute tatsächlich immer so und ich habe es bisher nur noch nie bemerkt? // das wochenende verläuft ansonsten geradezu grotesk unwochenendig. ein unterschied zum rest der woche ist im grunde nicht auszumachen. aber: geburtstag der dritten. schön und (weil?) ohne gäste. das geburtstagskind facetimed mit den ollen und ganz ollen familienmitgliedern und ist damit zufrieden. nach meinem geschmack ist diese art von feierei ohnehin, wird sich aber als modell vermutlich nicht in die nachcoronazeit retten lassen. // weil geburtstag ist, darf sie mit j. alleine zum pferd. als ich später mit den anderen beiden dazustoße, bin ich ein bisschen beeindruckt, wie selbstverständlich und sicher sie sich auf dem mir obszön groß vorkommenden gaul bewegt. ich muss einräumen: der steht ihr gut. // die unlängst bestellten masken sind angekommen. die versuchsweise anprobe zeigt zweierlei: sieht wirklich scheiße aus und die brille beschlägt ständig beim ausatmen. ohne not werde ich damit wohl nicht herumlaufen. // muss ich vielleicht auch gar nicht, denn meine außerfamiliären sozialen kontakte haben sich weitgehend ins virtuelle verlagert. ein paar neue sind sogar noch dazu gekommen. bisweilen verliere ich fast ein bisschen den überblick, mit wem ich da eigentlich auf welchem kanal gerade kommuniziere. mit diesem problem bin ich aber offenkundig nicht alleine. zwischendurch muss ich jedenfalls mal vorsichtig korrigierend eingreifen. schließlich heiße ich nicht simon und möchte bitte - simon, ey! - auch nicht so genannt werden. // aber immerhin: zwei verabredungen zu analogen waldspaziergängen stehen auch an. einer davon mit jugendfreund c. und bier. bislang verbrachten wir unsere gelegentlichen treffen standesgemäß und der alten zeiten gedenkend immer mit bier und gedöns auf ner kirchentreppe sitzend. aber weil man damit dieser tage schnell auffällig wird, verziehen wir altgewordenen nonkonformisten uns eben ins unterholz. stay healthy, stay safe, stay punk. // am 20. april (bin ich eigentlich der einzige, dem es bei diesem datum immer kalt den rücken runterläuft?) soll das sommersemester definitiv losgehen. kein verlorenes, sondern ein außergewöhnliches semester soll es sein, so hat es die kmk verkündet. möglichst reibungslos, möglichst digital, so als gäbe es sonst nix, mit dem man sich derzeit herumplagen müsste. was solls, dann virtualisiere ich eben das unvirtualisierbare. morgen dann. bestimmt.