lektüre | jon savage: sengendes licht, die sonne und alles andere. die geschichte von joy division (heyne hardcore)

fast pünktlich zum 40. todestag von ian curtis mache ich mich an jon savages viel gelobtes joy division-buch. leider kann ich nicht sagen, dass mich die lektüre besonders begeistert hat. eher das gegenteil ist der fall. dies hat allerdings weniger mit der geschichte selbst, um deren unschönen verlauf ich natürlich wusste, sondern eher mit der art ihrer präsentation zu tun. // savage erzählt nicht, sondern kompiliert interviewpassagen von zeitzeug*innen - ehemaligen weggefährt*innen, bandmitgliedern, freund*innen, curtis’ ehefrau -, die chronologisch und thematisch um die knapp vier jahre währende bandgeschichte herum angeordnet werden. ergänzend gibt es ein paar (schlechte) fotos, faksimilierte konzertplakate, kurze fragmente aus konzertberichten, fanzines usw.. im grunde ist das ganze mehr dokumentation als darstellung. savages kronzeug*innen berichten dabei zum teil durchaus interessante details, etwa zur frühen manchester punkszene (buzzcocks, the fall usw.), der entwicklung von einer anfangs noch ziemlich orthodox dahinscheppernden punkband (warsaw) zu einer charismatischen und intensiven (live-)band, die ihre zuhörer*innen fast magisch in ihren bann zog sowie natürlich zum tragischen tod von ian curtis kurz vor der geplanten usa-tournee. // das alles könnte spannend (erzählt) sein, ist es aber nicht, sondern vor allem: langweilig, redundant und ziemlich mühselig zu lesen. dabei ist es nicht unbedingt das konsequente oral history-format, das mich stört, sondern der eindruck, dass savage irgendwie auf halbem wege stehengeblieben ist. statt einen eigenständigen, gut geschriebenen und lesbaren text zu produzieren, hat er es beim sammeln und ordnen des materials belassen. dabei hätte der persönliche, strikt subjektive charakter der erzählungen durch eine kontextualisierende und straffende bearbeitung keineswegs verloren gehen müssen. naja. so bleibt das buch letztlich eine etwas beliebig wirkende aneinanderreihung von persönlichen erinnerungen und mal mehr, meist aber weniger aufregenden anekdotischen einblicken in die interna einer zweifellos wegweisenden band. immerhin: als soundtrack zur lektüre gabs (ehrensache!) joy division, warsaw, the fall und konsorten, was ja nicht das schlechteste ist und mich über manche literarische durststrecke hinwegtröstete.