lektüre | tony parsons: als wir unsterblich waren (piper verlag)

seit fast einem jahr habe ich hier nichts mehr geschrieben. traurig! fast genau so lang steht tony parsons „Als wir unsterblich waren“ - eine schenkung und empfehlung von kollege olram - ungelesen im schrank. auch traurig! aber nachdem ich in den letzten wochen endlich mal wieder etwas mehr bedrucktes papier zu hand genommen habe, stand dann auch endlich mal diese lektüre auf dem programm. // der bereits 2005 erschienene roman schildert die erlebnisse von drei jungen musikjournalisten im verlauf einer nacht - inklusiver diverser rück- und ausblicke. allerdings handelt es sich nicht um irgendeine nacht, sondern es ist der 16. august 1977, die nacht als die nachricht vom tod elvis presleys um die welt ging. dieser umstand spielt zwar auf den ersten blick keine soo große rolle im roman, steht aber in einem gewissen sinne trotzdem symbolisch für die erzählung. // aber der reihe nach: erzählt wird der verlauf der nacht jeweils mit blick auf einen der protagonisten. ray, terry und leon, alle drei anfang zwanzig, alle drei schreiben für das einflussreiche musikmagagazin The Paper, alle drei sind sehr angefixt von der "neuen Musik" und alle drei sind teil der jungen londoner punk- und musikszene. nachdem sie gemeinsam in die nacht gestartet sind, verlieren sich ihre wege. und doch erleben sie iim grunde ähnliches. die nacht verläuft und endet jedenfalls gründlich anders als geplant und erhofft. der anpolitisierte leon verliert seinen geliebten job, nachdem sein gefakter konzertbericht (das konzert fand gar nicht statt, was zwar der chefredakteur, nicht aber leon weiß) auffliegt. sein freund ray ergattert nach einem glücklich zu stande gekommenen interview mit john lenon doch die lange ersehnte vollzeitstelle bei der zeitschrift. terry schließlich erfährt am morgen, das seine zwischenzeitig an einen alternden rockstar verloren geglaubte freundin ein kind von ihm erwartet und ahnt gleichzeitig, dass damit sein bisheriges leben zu ende ist. bis es allerdings soweit ist, erleben die drei eine ereigenisreiche nacht, in der exzessiver drogenkonsum, sex, gewalt und verzweifelung, trauer und wut nahlos ineinander übergehen. // das ganze ist locker, wenn auch ein bisschen orthodox erzählt und liest sich flott weg. interessanter als die geschichte selbst ist aber letztlich der blick auf die frühe londoner punkszene - und ihre abgründe. den jungen geht auf, dass sich das, was wenige monate zuvor als aufregender protest gegen die gesellschaft der alten, das establishment, das musikbusiness usw. begonnen hatte, bereits seinem kommerziellen ende nähert und unterm strich gar nicht so weit von eben jenen verhältnissen entfernt ist,  die sie so verachten. im zeitraffer weniger monate piegelt sich in der erzählung die biografie elvis' wider: vom aufregend-provokanten schrecken des establishments über den schmalzigen traum aller schwiergermütter bis hin zum übergewichtigen kasper im spacken fransenkostüm.