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lektüre | thorsten nagelschmidt: wo die wilden maden graben (ventil)

nagelschmidt, die 2. diesmal sein erstlingswerk "wo die wilden maden graben". soweit ich das sehe, handelt sich um die (vermutlich) weitgehend unveränderte neuausgabe der originalveröffentlichung aus dem jahr 2007. der einzige unterschied ist, dass der autor bei der neuausgabe unter seinem bürgerlichen namen firmiert und das ganz nun mit hardcover kommt. // obwohl ich die maden unmittelbar nach den "drive-by shots" gelesen habe, kann ich mich, nicht einmal zwei wochen später, an kaum noch was erinnern. das bedeutet wohl zweierlei: zum einen bin ich offenbar in einem alter, in dem ich den sempf direkt nach der lektüre schreiben sollte. zum anderen wirft der umstand aber auch kein gutes licht auf die lektüre selbst. tatsächlich hat mich das buch nicht durchgängig abholt. // über weite strecken berichtet nagelschmidt über die tourerlebnisse mit seiner band muff potter. und das bedeutet im wesentlichen: mutmaßlich zwanzigjährige erleben gepflegte langeweile, jungshumor und zankerei im tourbus, beim warten auf die auftritte und danach. zwischendrin saufen, raststätten, wenns gut läuft volles haus, ein hotelzimmer, sex. das ist nicht wirklich schlecht oder unlustig, nur habe ich das so oder so ähnlich schon etliche male gelesen und wirklich hängen geblieben ist davon nix. im grunde fasst mich das so wenig an, dass ich noch nicht einmal auf die idee komme, mir zur musikalischen untermalung die bislang gänzlich an mir vorbeigegangenen muff potter anzuhören. // wenn die erzählung nicht noch eine zweite ebene hätte, wäre die rezension an dieser stelle zu ende. ist sie aber nicht. denn: gebrochen wird die tourbericht immer wieder durch eingestreute persönliche reflexionen von nagelschmidt (damit die geneigte leser:innenschaft dies auch merkt, sind diese passagen in einer anderen schrift gesetzt). bisweilen mit erkennbarem bezug zum haupttext, bisweilen eher assoziativ eingestreut finden sich erinnerungen an die zumutungen der jugend, das leben in der provinz, die erste liebe, das lohnarbeitselend usw. und verleihen dem ganzen dann eine tiefe, die erfreulich über den reinen tourbumms hinausgeht. kann man machen.