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razors | knust | 03.07.2021

den vorsatz, an dieser stelle erst wieder über konzerte zu schreiben, wenn wir uns wieder in engen kaschemmen gegenseitig anschwitzen können, beerdige ich hiermit offiziell. angesichts der sich abzeichnenden 4. welle könnte die sehnlich vermisste konzertnormalität wirklich noch in weiter ferne liegen und berufenere menschen als ich gehen davon aus, dass in diesem jahr nicht ernsthaft mit 'richtigen' indoor-konzerten zu rechnen ist. kurzum: wenn nichts anderes in sicht ist, dann wird hier eben über die fernsehgarten-, zur not auch über die bestuhlten shows berichtet. tatsächlich war ja auch nicht alles schlecht, was ich in dieser hinsicht im letzten jahr gesehen habe. die mimmis mit fisch & oldrik in münster, brigitte handley im ballroom und auch die ein oder andere sache an den biergärten am viehofer platz waren bei allem elend schon wirklich gut und haben spaß gemacht. // den anfang in diesem konzertjahr - wir haben mittlerweile juli, bis hierhin gab es exakt garnix! - macht die record release party der razors in hamburg. ok, um ehrlich zu sein wäre ich dafür auch unter normalen umständen kaum so weit gefahren, aber j. und ich wollten ohnehin das wochenende in der hansestadt verbringen und es gibt wahrlich schlechteres als die razors. auf platte nicht unbedingt pflichtprogramm, aber live haben sie mich noch jedes mal gut unterhalten. also tickets gebucht und hinein ins vergnügen. // das besteht zunächst aus warten in einer beängstigend langen schlange vor dem open air-gelände des knust. aber die sorge, mit dem katzentisch vorlieb nehmen zu müssen, erweist sich als unbegründet. im gegenteil, zusammen mit der dazugestoßenen neuhamburgerin m. erwischen wir einen platz mit ausgesprochen guter sicht und ebenso guter akkustik. nix zu meckern. // wie die rahmenbedingungen stimmt auch der rest: die razors sind ersichtlich froh, wieder vor publikum zu spielen und machen wirklich spaß. gespielt werden natürlich sämtliche (sechs) songs der nach aussage des sängers zwischen der 2. und 3. welle eingespielten neuen platte (new trash) und eine menge altes zeug. zusammen eine runde mischung. im grunde ist für mich kein großer unterschied zu den alten sachen erkennen… oder anders formuliert: die band ist sich treu geblieben. die englischste der alten deutschen bands spielt trotz zwischenzeitiger besetzungswechsel den sound, den sie von anfang an gespielt hat und das gefällt mir ausgesprochen gut. zwischendrin erwische ich mich zwar immer wieder bei dem gedanken, wie geil das ganze wohl unter normalen umständen wäre, aber naja, normal sind sie eben nicht, die umstände, also was solls. das sehen wohl auch die anderen anwesenden so. die stimmung ist jedenfalls trotz tanzverbot gut und es wird geschunkelt, gesitzpogt, mitgegröhlt und hier und da werden fäuste gereckt. gute sache und für meinen geschmack viel zu schnell vorbei. // wenn es etwas zu meckern gibt, dann nur, dass es das erste konzert ist, bei dem mir nachher der arsch vom sitzen weh tut. im anschluss gibt es jedenfalls noch ausgezeichnete und stimmige musik aus der konserve, wirklich gute pommes aus der knust-eigenen frittenbude und einen spaziergang durch das eher unangenehme amüsierelend auf st. pauli. auf grund des repressiven coronakrisenmanagements hamburgs (i.e. alkoholverbot) ist es praktisch unmöglich, irgendwo ein bier auf die hand zu kriegen. angesichts der gleichzeitig knallvollen kneipen und überlaufenen gassen erscheint mir das einigermaßen absurd, aber naja… trotzdem ein wirklich guter abend, der trotz aller beschränkungen auf einen erträglichen konzertsommer hoffen lässt.